Die Mahl-Zeit ist wichtig bei Diabetes

diabetes und ernaehrung

Diabetes und Übergewicht hängen stark zusammen. Gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung sind sehr wichtig zur Vorbeugung und Bekämpfung von Diabetes, aber auch das Timing der Mahlzeiten ist entscheidend, wie neue Forschungsergebnisse zeigen.

Menschen mit Diabetes haben häufig auch Übergewicht. Adipositas ist auch der grösste Risikofaktor, um an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Insbesondere bei starkem Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas) steigt mit jedem Kilogramm Körpergewicht das Risiko für Typ-2-Diabetes. Andersherum bessern bereits 10 % weniger Gewicht den Diabetes (Sander et al., 2018).

Diabetes vom Typ 2 („Alters-Diabetes“) ist mit 90 % die häufigste Form von Diabetes, die meist im Erwachsenenalter (ab 40 Jahren) entsteht. Die Risikofaktoren sind Übergewicht, Fettleibigkeit und Bewegungsmangel. Typ-1-Diabetes nennt man den angeborenen Insulin-Mangel, der bereits im Kindesalter auftritt.

Welche Beziehung herrscht zwischen Fettleibigkeit und Diabetes?

Je höher das Übergewicht ist, desto höher ist die Menge an Fett im Organismus. Parallel dazu steigt auch der Blutzuckerspiegel an. Das liegt daran, dass das Fettgewebe den Muskeln Energie liefert und diese weniger Glukose verbrauchen: Die Konzentration der Glukose im Blut (der Blutzuckerspiegel) steigt also an. Die Bauchspeicheldrüse versucht, den zu hohen Blutzuckerspiegel zu senken und sondert dazu verstärkt Insulin ab. Früher oder später kann die Bauchspeicheldrüse nicht mehr genügend Insulin produzieren, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Deswegen kann durch Übergewicht auf Dauer ein Typ-2-Diabetes entstehen und beides zusammen kann schwere gesundheitliche Folgen haben; am häufigsten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Lösungen zur Abhilfe

Erwiesenermassen können eine gesündere Ernährung und regelmässige körperliche Bewegung überschüssiges Bauchmuskelfett effektiv verringern. Das führt zu besseren Blut- und Lipidwerten (Verringerung des schlechten Cholesterins), senkt den Blutdruck und verbessert die Blutzuckerwerte. Mit einer kalorienverminderten, gesunden Ernährung und ausreichend Bewegung können Patienten mit Typ-2-Diabetes die Insulinwirkung oft wieder verbessern und ihren Diabetes langfristig ohne Medikamente behandeln. Erst wenn diese Massnahmen erfolglos bleiben, sollte mit einer medikamentösen Therapie begonnen werden (Ärzteblatt, 2018).

Diäten funktionieren nicht

Nun haben die Empfehlungen zur Änderung der Ernährungsgewohnheiten laut Hawley, Sassone-Corsi und Zierath (2020) bisher wenig Wirkung gezeigt: Trotz aller Aufklärung habe sich die Zahl der Menschen mit Diabetes und Adipositas in den letzten Jahrzehnten vervielfacht. Es gibt Befürchtungen, dass diese beiden Krankheiten die grössten Epidemien der Geschichte werden. Das Autorenteam vermutet, dass die aktuellen Ernährungsempfehlungen für die Mehrheit der Erwachsenen unrealistisch sein könnten. Erstens würde der ständige Zugang zu energiereichen, ungesunden Lebensmitteln eine langfristige Änderung der Ernährungsgewohnheiten schwierig machen. Zweitens würde eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten oft als mühsamer angesehen als eine medizinische Therapie.

Neue Erkenntnis: Das Timing der Mahlzeiten ist wichtig

In der Forschung zeigt sich jetzt immer mehr, dass neben der Qualität und Quantität der Nahrung auch das Timing der Mahlzeiten von entscheidender Bedeutung für die Stoffwechselgesundheit ist. Eine Lösung dieses Problems könnte also die Chronobiologie liefern, bzw. ihre Anwendung auf die Ernährung (Hawley, Sassone-Corsi & Zierath, 2020). Dieses recht neue Fachgebiet wird als „Chrononutrition“ bezeichnet.

Die Chrononutrition entstand aufgrund der zunehmenden wissenschaftlichen Belege, dass der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme im Tagesverlauf tiefgreifende Auswirkungen auf zahlreiche physiologische und metabolische (Stoffwechsel-)Prozesse hat. Die Chrononutrition versucht deswegen Ernährungsprotokolle zu entwickeln, die den Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme und damit den Essen-Fasten-Zyklus bewusst verändern. Eine solche „Chrono-Ernährung“ soll den Stoffwechsel optimieren, indem sie die Nährstoffaufnahme auf die Zeiten abstimmt, an denen der Stoffwechsel maximal läuft, die so genannten Akrophasen. Das soll die Insulinsensitivität und die Blutzucker-Kontrolle verbessern und die Stoffwechsel-Gesundheit insgesamt fördern.

Empfehlungen der Chrononutrition bei Diabetes

Henry, Kaur und Quek (2020) haben Informationen zusammenzutragen und ausgewertet, wie Menschen mit Diabetes ihre Nährstoffaufnahme und die Zeitpunkte ihrer Mahlzeiten wählen sollten, um eine möglichst optimale Kontrolle des Blutzuckerspiegels zu erreichen. Diese Übersichtsarbeit zeigt, dass die Wahl der Lebensmittel allein nicht für die richtige Kontrolle des Blutzuckerspiegels (die glykämische Reaktion) von Bedeutung ist.

Die wichtigsten Kernaussagen lauten:

  • Der Zeitpunkt der Mahlzeiten hat einen grossen Einfluss auf den Typ-2-Diabetes. Betroffene dürfen sich nicht nur auf den Nährwert einer Mahlzeit konzentrieren.
  • Eine kohlenhydratreiche Mahlzeit am Abend führt zu einer erhöhten postprandialen Glykämie (d.h. zu einem höheren Blutzuckerspiegel nach dem Essen) im Vergleich zu einer identischen Mahlzeit am Morgen. Daher ist es zur Verbesserung der Glykämie günstiger, bei Mahlzeiten abends oder in der Nacht den Protein- und Fettgehalt zu erhöhen.
  • Mahlzeiten zu Beginn des Tages sind für Menschen mit Diabetes besonders vorteilhaft.
  • Der Verzehr von Nahrungsmitteln mit niedrigem glykämischem Index (Vollkorn- Michprodukte, Obst und Gemüse) am Morgen verbessert die glykämische Reaktion (= wie schnell und stark der Blutzucker nach dem Essen ansteigt) stärker als ein Verzehr abends.
  • Es beeinflusst die glykämische Reaktion erheblich, in welcher Reihenfolge die Nahrungsmittel verzehrt werden. Bei einem Reisgericht beispielsweise wird der postprandiale Blutzuckerspiegel besonders günstig gehalten, wenn zuerst das Gemüse, dann das Fleisch und zuletzt der Reis verzehrt wird.

Die Chrononutrition ist ein faszinierendes Forschungsgebiet, wenn wir die Auswirkungen unseres tageszeitlichen Biorhythmus auf die Ernährung verstehen wollen. Ihre Ergebnisse könnten letztendlich die Belastung durch Typ-2-Diabetes reduzieren helfen.

Quellen

Ärzteblatt (2018). Diabetes und Adipositas: Schulterschluss der Fachgesellschaften. Verfügbar unter: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/98958/Diabetes-und-Adipositas-Schulterschluss-der-Fachgesellschaften
Hawley, J.A., Sassone-Corsi, P. & Zierath, J.R. (2020). Chrono-nutrition for the prevention and treatment of obesity and type 2 diabetes: from mice to men. Diabetologia 63, 2253–2259. doi:10.1007/s00125-020-05238-w
Henry, C.J., Kaur, B. & Quek, R.Y.C. (2020). Chrononutrition in the management of diabetes. Nutr. Diabetes 10, 6. doi:10.1038/s41387-020-0109-6
Sander, M. Ochmann, R. ,Marschall, J. Schiffhorst, G. & Albrecht, M.. (2018). AOK-Familienstudie 2018. doi:10.13140/RG.2.2.36482.99528.
Sander, M. Ochmann, R. ,Marschall, J. Schiffhorst, G. & Albrecht, M.. (2018). AOK-Familienstudie 2018. doi:10.13140/RG.2.2.36482.99528.
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